Abgrenzung Schneeballsysteme und Multi-Level-Marketing

Schwierigkeiten bereitet oft die Abgrenzung von illegalen Schneeballsystemen zu legalem Strukturvertrieb oder Multi-Level-Marketing. Der Übergang ist fließend und teilweise nicht alleine von der Ausgestaltung der Regeln, sondern auch dessen faktischer Umsetzung abhängig. Grundfrage für die Abgrenzung ist: Würde der Kunde das angebotene Produkt erwerben, selbst wenn er keine Provision für die Vermittlung von Neukunden erhält?

Bei einem Schneeballsystem steht regelmäßig die Verdienstmöglichkeit für die Anwerbung von Neukunden im Vordergrund. Dies zeigt sich bereits bei der Ansprache: Bei Schneeballsystemen wird mit Verdienstmöglichkeiten statt mit Konsumprodukten geworben. Bei zulässigem Multi-Level-Marketing wird das Produkt in den hauptsächlich an Verbraucher vertrieben, die nicht gleichzeitig Teil des Vertriebssystems werden.

Indizien für ein illegales Schneeballsystem: - Verdienstmöglichkeiten bestehen überwiegend aus den Vorteilen, die für die Anwerbung neuer Mitglieder gewährt werden. - Das vertriebene Produkt ist überteuert. - Die Handelsmarge oder Vertriebsprovision ist für Produkt und Branche ungewöhnlich hoch - Es gibt kaum Kunden, die das Produkt zum angebotenen Preis ohne Provisionaussichten erwerben würden.

Haftung bei Mitwirkung in Schneeballsystemen

Rechtsgeschäfte, die gegen ein gesetzliches Verbot verstoßen, sind gem. § 134 BGB nichtig. Einzahlungen können daher theoretisch nach § 812 BGB zurückgefordert werden. Häufig scheitert die Anspruchsdurchsetzung jedoch gegenüber dem Veranstalter des Schneeballsystems.

Personen, die ein Schneeballsystem fördern, insbesondere veranlassen, dass neue Mitglieder eintreten, haften für entstandene Schäden aus unerlaubter Handlung. Dies kann den Kreis der Anspruchsgegner über die Veranstalter hinaus erheblich erweitern. Für Mitglieder eines Schneeballsystems entsteht daher das zusätzliche Risikopotenzial, nicht nur die eigene Einlage zu verlieren, sondern auch neuen Mitgliedern auf Schadensersatz zu haften.

Wie kollabieren Schneeballsysteme?

Schneeballsysteme enden in der Praxis - entgegen der theoretischen Prognose - nie dadurch, dass durch steigende Progression sämtliche Menschen der Weltbevölkerung Mitglieder geworden sind und damit keine neuen Mitglieder mehr zur Verfügung stehen. Tatsächlich wachsen gut durchdachte Schneeballsysteme eher langsam und kollabieren entweder durch staatlichen Eingriff oder an verbreitetem Erkenntnisgewinn bei den potenziellen Neukunden. Schneeballsysteme sind in der Regel leicht zu erkennen, so dass Neukunden gewarnt werden können. Es wird im Laufe der Zeit immer schwieriger, neue Mitglieder anzuwerben, die auf das System hereinfallen. Allmählich steigt der Anteil der Mitglieder, die ihre Investition nicht mehr amortisieren können. Das System kollabiert, wenn auch die zuvor erfolgreichen Mitglieder aufgeben und das System wechseln.

Gewinner und Verlierer

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass nur die letzten Teilnehmer ihre Einsätze verlieren und die Teilnehmer der ersten Stunde große Gewinne machen. Abgesehen davon, dass der Zeitpunkt des Kollaps schwer vorhergesagt werden und sehr plötzlich eintreten kann, gibt es in jedem System von Anfang an Mitglieder, die - ob aus Einsicht oder Unfähigkeit - keine neuen Mitglieder anwerben und ihren Einsatz verlieren. Hierdurch erklärt sich das langsame Wachstum.